http://mirjamsoegner.com Mirjam Sögner, choreographer

MIRJAM SÖGNER

Critique Somatique ODER Präsenz bedenken

mapping a common territory - mit Katharina Greimel

 

Die Aussage „Techno is just another somatic practice“, die im Januar in einer Berliner Bar fiel, markiert den Ausgangspunkt für eine künstlerische Forschungsarbeit, die sich der Frage des Zeitgenössischen in Bezug auf somatische Körperarbeit stellt.

Was einen Clubbesuch und eine BMC-Klasse verbindet, könnte durchaus das Versprechen sein, dem Bedürfnis „sich zu spüren“ Rechnung zu tragen. Doch was hat es mit diesem ominösen „Sich-Spüren“ in unserer Gesellschaft auf sich? Steckt im „Sich-Spüren“ ein politisches Potenzial?

Könnte die Vergegenwärtigung des eigenen Körpers als Konsumkritik gelesen werden, wenn „Sich-Spüren“ bedeutet, den Fokus auf das, was da ist zu verschieben und weg von dem, was als fehlend empfunden wird?

 

Da in unseren Augen eine Praxis des Vergegenwärtigens als alternative Position zu einer Praxis des Produzierens und Konsumierens in Frage kommen könnte, ist somatische Körperarbeit für uns aus heutiger Sicht interessant. Wir wollen somatische Körperarbeit aber nicht einfach so als hermetisch abgeriegelte Erfahrungswelt abgekoppelt vom Alltagsgeschehen stattfinden lassen; als Paralleluniversum, das nicht in Beziehung zu gesellschaftlichen Fragestellungen tritt. Daher fragen wir: Auf welche Weise könnten Prämissen somatischer Körperarbeit reformuliert werden, um somatische Körperarbeit als kritische Praxis betreiben zu können? Welche Werkzeuge des Kritik-Übens können vor dem Hintergrund somatischer Körperarbeit entwickelt werden? Wie kann sich somatische Körperarbeit nicht als narzisstischer Selbstbezug aber als emanzipatorische Selbstverantwortung  äußern – gegenüber einem System, das auf Bereicherung durch Konsumgüter und Desensibilisierung durch Berieselung basiert?

 

Um das politische Potenzial somatischer Körperarbeit auszuloten, schlagen wir keinen zielgerichteten Prozess, sondern einen Prozess des Ineinandergreifens mehrerer Richtungen vor. Wir verfolgen einen Ansatz, der somatische Körperarbeit als Kritik übt und in diesem Zusammenhang auch Kritik  an somatischer Körperarbeit übt. Ein Zusammen-denken und -tun von Kritik und somatischer Körperarbeit bedeutet für uns ein Zusammentreffen von vorerst konträren Bewegungskonstanten und –richtungen:

Kritik als reflektierende wie antizipierende Praxis, bedingt als solche Distanz zum Objekt der Betrachtung und impliziert die flexible Verbindung zwischen den Zeitmodi vergangen, gegenwärtig, zukünftig; während somatische Körperarbeit als eine Praxis der Präsenz, des hier und jetzt, sich dem Wahrnehmen des unmittelbar Anwesenden annimmt. Die Verquickung davon bedeutet also auch unterschiedliche Zeitlichkeiten wie Örtichkeiten des In-der-Welt-Seins und des Sich-auf-die-Welt-Beziehens in Dialog zueinander treten zu lassen (Zurückwenden/  Vorgreifen im Unterschied zu Wenden/ Greifen). 

Wir möchten einen Raum der gegenseitigen Befragung und Interaktion zwischen Bewegungen und Körperlichkeiten des Be-denkens versus des Er-fahrens – und umgekehrt - installieren und in diesem Rahmen somatische Arbeit als Konsumkritik untersuchen. Es könnte sein, dass wir ein nachdenkliches Vergegenwärtigen üben oder eine bedenkliche Präsenz.

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